Bartmode des 20. Jahrhunderts
Während die Frau in der Regel auf ein gut gestyltes Haupthaar wert legt, hat der Mann hier noch eine weitere Möglichkeit: Er kann sich einen Bart wachsen lassen und diesen nach den neuesten Trends stylen. Die Bartmode war im 20. Jahrhundert vielen Veränderungen unterworfen. Vom Rauschebart über Bartwuchs nur an bestimmten Stellen bis hin zum Zöpfchen flechten musste der Bart alles über sich ergehen lassen.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte noch der Einfluss des ausklingenden 19. Jahrhunderts vor. Es war die Zeit von Lenin, Karl Marx und Friedrich Engels. Sie trugen stolz einen nicht gerade unauffälligen Bart, der stellenweise sogar wild wachsen durfte. Diese Bartmode zog sich damals durch sämtliche Bevölkerungsschichten. Ob nun im Gesicht des Revolutionärs Che Guevera oder im britischen Königshaus, bis etwa zum Jahre 1920 traf man überall auf Vollbärte. Danach rasierte man sich entweder das komplette Gesichtshaar oder man entschied sich für einen Schnurr- oder Kinnbart. Vollbärte blieben bis in die 1950er Jahre hinein verpönt. Der Trend zum Rasieren wurde zudem von Rasierklingenherstellern gefördert, die ja nur durch sich rasierende Männer Umsatz machen konnten.
Bestimmte Musikrichtungen oder Volksgruppen hatten einen wesentlichen Einfluss auf die Bartmode. Die Beatniks in den 1950er- und die Hippies in den 1960er Jahren bekannten sich zum Vollbart. Während des Vietnamkrieges war der Vollbart ein Zeichen des Widerstands und man konnte sofort beim Anblick eines Mannes erkennen, ob er ein Befürworter oder ein Gegner des Krieges war. Die Beatles waren überaus bekannte Vollbart – Gesichter und sie setzten auf alle Fälle Trends.
Als die 1980er Jahre begannen wandelte sich die Bartmode wiederum immens. Nun waren wieder weniger Haare im Gesicht in. Gewisse Barttypen symbolisierten zudem die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe. Schnurrbärte wurden zu der Zeit beispielsweise Homosexuellen zugeschrieben. Kurt Cobain, der Sänger der Gruppe Nirvana, machte in den 1990er Jahren den Ziegenbart wieder populär. Hauptsächlich jüngere Männer konnten sich dafür begeistern.
Das ausklingende Jahrhundert präsentierte sich in der Bartmode ähnlich vielfältig wie die Haarmode allgemein. Der Zwei- bis Drei-Tage-Bart war ein absolutes Muss, aber genauso angesagt war das glattrasierte Gesicht, was oftmals auch für den komplett entfernten Haarwuchs am Körper stand. Männer mit Ziegenbärten begannen sich plötzlich ihren Bart zu färben oder mit Haargummis zu Zöpfen zusammenzubinden. Dem Ideenreichtum war keine Grenze gesetzt.