Retro & Vintage Mode Styles, Looks und Kults

Cocktailkleider – ein Klassiker des 20. Jahrhunderts




Kittelschürze und Gummistiefel, dass diese Alltagsbekleidung vieler Frauen in den Anfängen des 20. Jahrhunderts nicht der Weisheit letzter Schluss beziehungsweise die modische Extraklasse sein kann, darüber war sich die Damenwelt der damaligen Zeit durchaus bewusst. Aber dennoch hatten sie eine schwere Gratwanderung hinzulegen. Praktisch musste die Kleidung im Alltag sein und da war die Kittelschürze sicher ein geeignetes, wenn auch modisch nicht sonderlich raffiniertes Exemplar. Wenn es dann aber mal eine seltene Gelegenheit zum Ausgehen gab, dann wollte man schon schick sein, durfte aber nicht mit übertriebenem Sexappeal auftreten.

Im Grunde genommen unterschieden sich die modischen Vorstellungen der heutigen Urgroßmütter nicht sonderlich von den aktuellen Bekleidungsvorstellungen, wenngleich ein freier Bauch oder ein heraushüpfender Busen in der jetzigen Zeit kein schnelles Verheiraten des gefallenen Mädchens nach sich zieht.

Coco Chanel machte den Anfang

Der erste Weltkrieg war vorbei, die Damen haben kräftig mit angepackt und schließlich konnten sie sich auch wieder ihrer Schönheit widmen. Mode rückte nun in den Vordergrund. Und deshalb durfte in den 1920er Jahren auch die Designerin Coco Chanel einen ganz einzigartigen Versuch wagen, indem sie eine völlig neue Bekleidungsrichtung für Damen kreierte. Das Cocktailkleid war geboren, natürlich vorrangig für solche Frauen, die auch auf Cocktailpartys zu Gast sein durften. Die gewöhnliche Arbeiterfrau zählte sicher nicht dazu, aber auch finanziell war sie nicht die primäre Zielgruppe von Chanel. Es dauerte somit einige Jahre, ehe man auch jenseits der oberen Zehntausend ein Cocktailkleid im Kleiderschrank fand, natürlich ohne Chanel Emblem.

1950er Jahre – die Zeit der Cocktailkleider

Ab den 1950er Jahren wurde die Mode insgesamt liberaler. Ein Knie, das zu sehen war, zog keine Tracht Prügel des Vaters mehr nach sich und auch hochgeschlossen war nicht mehr die unbedingte Pflicht. Damit erhielten die Cocktailkleider endlich ihre Existenzberechtigung.

Ob nun Mini oder bis knapp über die Knie, eng anliegend oder nur annähernd auf Figur geschnitten, mit tiefen Einblicken oder doch nur dezentem Ausblick auf den Hals – ab Mitte des 20. Jahrhunderts konnte man Cocktailkleider ganz nach Wunsch, oder eben Erlaubnis der Eltern beziehungsweise des Ehegatten, kaufen und tragen. Marilyn Monroe und Jacky Kennedy machten es vor und zeigten, wie konträr Cocktailkleider wirken können. Und während sicher alle bewundernd auf die im Cocktailkleid der Monroe gut sichtbaren Rundungen blickten, so favorisierten sie für ihre Lieben dann doch eher die züchtige Kennedy Variante.

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