Der Ton macht die Musik – Musique concrète
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts stand musikalisch ganz im Zeichen der Klassik und der so genannten Zwölftonmusik. Bis die 1940er Jahre eingeläutet wurden. Da nämlich startete ein bis dahin recht unbekannter Franzose namens Pierre Schaeffer Experimente mit verschiedenen Geräuschen. Sein Hintergrundgedanke war, dass aus konkreten Geräuschen, wie sie nicht nur in der Musik erzeugt werden, sondern auch im Alltag, in der Natur oder der Technik vorkommen, abstrakte musikalische Werke geschaffen werden können. Und schon war der Grundstein für Musique concrète gelegt.
Was Musique concrète so anders macht
Bis zu Schaeffers Erstveröffentlichung von Musique concrète Projekten entsprang die musikalische Komposition rein dem Werk ihres Schaffers. Konkrete natürliche Klänge waren lediglich subjektive Wahrnehmungen. Die Musik war also sozusagen ein Initiator kreativer Wahnvorstellungen beim Zuhörer. Pierre Schaeffer wollte mit seiner musikalischen Kunst nun das Pferd von hinten aufzäumen. Er nahm verschiedene Klänge und Geräusche, unabhängig davon, wie sie verursacht wurden, auf und unterzog sie dann einer elektronischen Bearbeitung. Das Ergebnis waren musikalische Werke. Inspiration lieferte Schaeffer eigentlich alles, was sich so bot. Und somit wurden das Dröhnen einer Dampflok und das Platzen eines Luftballons zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk.
Trotz Widersacher standhaft geblieben
Als in der Mitte des 20. Jahrhunderts Pierre Schaeffer mit der ihm ganz eigenen Vorstellung von musikalischer Komposition an die Öffentlichkeit ging, hagelte es zunächst tonnenweise Kritik. Der Gedanke daran, dass sogar ein Pups oder schmatzende Essgeräusche das Zeug zum audiologischen Meisterwerk haben könnten, klang verständlicherweise allzu befremdlich. Aber dennoch gab Schaeffer nicht auf und konnte sogar einige Bewunderer auf seine Seite ziehen. Schaeffers Werke überzeugten mehr und mehr und etablierten diese ganz neue Art der Musik vor allem in den Anfängen der 1950er Jahre.
Wer damals allerdings an einen schnell erlöschenden Stern am Musikhimmel glaubte, der wurde eines Besseren belehrt. Musique concrète symbolisiert wie kaum eine andere Stilrichtung die Musik des 20. Jahrhunderts. Und wenn man ehrlich ist, so hat Schaeffers Grundidee ein neues Zeitalter der Komposition eingeläutet. Welcher moderne Hit kann schon von sich behaupten, nicht elektronisch bearbeitet worden zu sein? Und woher die heutigen Stars unter den modernen Komponisten ihre Inspiration beziehen – wer möchte das schon wissen?