Die Antibabypille: Ein Meilenstein der Sexualität des 20. Jahrhunderts
Es ist kaum zu glauben, aber tatsächlich datieren die ersten Konzepte der Antibabypille auf eine Zeit, in der Sexualität rein der Fortpflanzung diente, nämlich auf die 1920er Jahre. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass noch vier Jahrzehnte vergehen mussten, ehe aus dem Grundgedanken ein brauchbares Verhütungsmittel resultierte und weitere Jahre ins Land gingen, bis Frauen tatsächlich bereitwillig auf diesen Schwangerschaftsschutz setzten.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zunächst einmal war die moralische Grundeinstellung geprägt durch religiöse Werte, die Sex zum Tabuthema werden ließen und den Geschlechtsakt als Mittel zum Zweck des Kinderkriegens deklarierten. Andererseits war Sex ein Thema, das man zwar praktizierte aber nicht darüber sprach. Und so wurden die Kinder lediglich mit dem guten Rat ins Leben geschickt, sie mögen bloß aufpassen. Aber aufpassen worauf? Dass der Klapperstorch nicht vorbei fliegt und zufällig ins Bein beißt? Dass man auf gar keinen Fall einen Jungen küsst, da man davon schwanger wird? Und so kam es dann zu etlichen Muss-Ehen, weil das Paar zwar jeden Kuss einander verwehrt hatte, der Bauch sich aber nach einigen Wochen dennoch verdächtig wölbte.
Aber auch die jungen Männer, denen gegenüber offener mit dem Thema Sexualität umgegangen wurde und die deshalb wenigstens im Ansatz wussten, was unter „Aufpassen“ zu verstehen ist, sahen sich in zweierlei Hinsicht von der damaligen Einstellung betrogen. Zum einen wurde der Coitus Interruptus für sie zu einem Inbegriff des Geschlechtsverkehrs mit gezogener Handbremse und zum anderen mussten sie trotz größter Zurückhaltung früher oder später dennoch unerwünschten Kindersegen hinnehmen.
Erfolg auf ganzer Linie
Nachdem in den 1970er Jahren eine Aufklärungswelle durch die Menschheit ging und die Antibabypille ihre offizielle Einführung erfuhr, gab es für die Frauen kein Halten mehr. Waren ihre moralischen Bedenken erst einmal überwunden, freuten sie sich über die Tatsache, nun selbst über ihr Leben, ihre Familienplanung und Sexualität bestimmen zu können. Unter dem Deckmantel der Beschwerden während der Periode konnte jede Frau vor ihrer Familie rechtfertigen, wieso sie die Antibabypille einnimmt. Die Zahl der Abtreibungen nahm ab, genauso wie die schwangerschaftsbedingten Hochzeiten.
Dass damit die Geburtenrate sank, war zwar eine nicht angestrebte Nebenwirkung, aber für Frauen wie für Männer immer noch besser als Abtreibungen, Abstinenz oder der Rückzieher kurz vor dem Ziel.