Die Caprihose: Ein modischer Fauxpas ihres Zeitalters
Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts galt es für Frauen als wenig schicklich, den Rock abzulegen und stattdessen eine Hose zu tragen. Mannsweib war die wenig freundliche Bezeichnung für jene Damen, die dieses Experiment dennoch wagten. Trotzdem konnte sich die Hose emanzipieren und ihr Weg an das Hinterteil der Frauen war geebnet.
Dann wagte die Modedesignerin Sonja de Lennart in den 1940er Jahren den Vorstoß und brachte eine Caprihose auf den Markt. Und bereits kurz darauf zeigten sich weibliche Berühmtheiten in diesem Look, der zunächst als Hochwasser in der Hose wahrgenommen wurde. Der Höhenflug der Caprihose war nicht mehr aufzuhalten.
Über die Jahrtausendwende stets gleich schick
Man nehme eine eng anliegende Hose ohne Taschen, schneide einfach ein Stück unten ab und arbeitet noch auf jeder Seite einen ordentlichen Schlitz ein. Dazu eine Prise Farbenvielfalt und schon hat man das Erfolgsrezept der Caprihose. Und an diesem hat sich bis heute nicht viel geändert. Zugegeben, inzwischen ist von unifarben über Karomuster bis hin zu knallbunt alles erlaubt, aber das Konzept ist gleich geblieben. Auch die Tatsache, dass der Schlitz nun bevorzugt mit Schnüren oder Applikationen verschönert wird, hat nichts daran geändert, dass die Caprihose von heute mit ihrem Urmodell des 20. Jahrhunderts noch vieles gemeinsam hat.
Caprihose sorgte für heiße Diskussionen
Was sich im Gegensatz zur Optik glücklicherweise gewandelt hat, ist die Salonfähigkeit dieses Beinkleids. Ein Mädchen mit Anstand durfte nämlich in den 1940er und 1950er Jahren auf gar keinen Fall mit einer Caprihose vor die Tür gehen. Viel zu provokant war die Präsentation der Waden und der Fußgelenke. Lediglich zum Sonnenbaden durften die Töchter weltoffener Eltern eventuell die Caprihose tragen.
Aber dann wurde es sehr zum Leidwesen der Traditionsverehrer insgesamt freizügiger. Man konnte inzwischen offen über Liebe reden, Sex war zwar noch ein Tabuthema, durfte aber auch mal auf statt unter der Bettdecke stattfinden und somit war etwas nackte Haut auch kein absoluter Fauxpas mehr. Die Caprihose wurde auf den Straßen sichtbar. Ab den 1980er Jahren dann hatte sie sich so weit etabliert, dass sie in jeden Kleiderschrank gehörte. Ob mit High Heels, Turnschuhen oder Ballerinas kombiniert, war nun keine Frage der Schicklichkeit mehr, sondern einfach des Geschmacks ihrer Trägerin.