Eingelegte Gurken – regionaler Kult
Eingelegten Gurken eilt ihr Ruf bereits voraus. Sobald eine Frau auch nur im Ansatz äußert, sie hätte Lust auf eingelegte Gurken, so richtet die Schwiegermutter bereits gedanklich das Kinderzimmer ein oder spekuliert umfangreich darüber, welcher Schuft wohl für diese Tat verantwortlich ist, wo ihr Junge doch garantiert seine Triebe im Griff hat. Darauf, dass vielleicht einfach nur der leckere Geschmack für die Gelüste verantwortlich ist, kommt niemand, auch wenn es sich offensichtlich nicht um die schwangere Realität handelt, unbeschadet eingelegte Gurken mit Lakritz oder ähnlichem zu kombinieren.
Eingelegte Gurken sind in ihrer Beliebtheit ungebrochen und blicken auf eine lange Tradition zurück, die bereits im 19. Jahrhundert ihre Anfänge nahm, im 20. Jahrhundert jedoch ein wahrhaftiges Kultobjekt hervorbrachte.
Spreewaldgurken – noch heute wird danach verlangt
Welche geliebten Überbleibsel hat die DDR Zeit gebracht? Die Spreewälder Gurken. Wann auch immer eine Ostalgieshow auf dem Fernsehschirm flimmert, dürfen diese Ostprodukte nicht fehlen. Und schon wird deutlich, dass sich die Spreewaldgurken eindeutig über das 20. Jahrhundert und die deutsche Wiedervereinigung hinaus gerettet haben.
Doch wie kommt es zu einer derartigen Beliebtheit einer langen, grünen Salatstange?
Im Spreewald war es eigentlich nicht verwunderlich, dass sich die eingelegte Gurke der eigenen Region im Beliebtheitsgrad ganz oben hielt. Schließlich konnte man in dieser Gegend keinen Spaziergang unternehmen, ohne mit riesigen Plantagen konfrontiert zu werden. Wenn da jede Frau, der beim Anblick der Gurke-an-Gurke wachsenden Felder das Wasser im Mund zusammen lief, schwanger gewesen wäre, dann bräuchte sich heute sicher niemand mit dem demographischen Wandel in Deutschland beschäftigen.
Aber natürlich war es nicht nur das massenhafte Vorkommen der Gurken im Spreewald, das ja schon einer Invasion gleich kam, welches die eingelegten Gurken zu einem regionalen Kult werden ließ. VEB Spreewaldkonserven Golßen tat sein Übriges und machte mit einzigartigen Gewürzmischungen die eingelegten Gurken aus der Region deutschlandweit bekannt und beliebt.
Irgendwann wurde selbst eingelegt
Spreewaldregion ist Gurkenregion, auch wenn man dies als Bewohner dieses Brandenburgischen Gebiets nicht unbedingt gerne hört. Aber dennoch wurde dort im 20. Jahrhundert offensichtlich erhaltenswertes Kulturgut geschaffen, nämlich die eingelegte Gurke.
Aber überall, wo die Deutschen ein schmackhaftes Vorbild finden, wollen sie natürlich selbst Hand anlegen. Auch die eingelegten Gurken waren vor dieser Marke Eigenbau nicht sicher. Glücklicherweise haben sie es den Self-Made-Woman nicht übel genommen. So wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts dank Schrebergartenboom jede Region zur Einglegte-Gurken-Kult-Gegend.