Küchen im 20. Jahrhundert



Die Küche ist der wohl wichtigste Raum einer Wohnung. In ihm werden die Mahlzeiten zubereitet und diese sind unerlässlich. Bekanntlich hält Essen Leib und Seele zusammen. Wurde es mit besonderer Liebe und Sorgfalt zubereitet, ist das umso besser.

 

Die Küche war bis in das letzte Jahrhundert der Hauptaufenthaltsraum in den Familien. Das hatte verschiedene Gründe. Bis etwa zur Zeit des Wirtschaftswunders war die Küche oft der einzige Raum, der beheizt wurde. Da es noch keine Fertiggerichte gab und auch die Waschmaschinen noch längst nicht in jedem Haushalt zu finden waren, brannte rund um die Uhr ein wärmespendendes Feuer. Auf diesem wurde gekocht, aber nicht nur Speisen, sondern auch Wäsche. In Familien mit Wickelkindern stand in den Küchen im 20. Jahrhundert fast täglich ein großer Topf mit Windeln auf dem Herd, die ausgekocht wurden. Pingelig durfte man da keineswegs sein. Während auf der einen Platte die schmutzigen Windeln vor sich hin köchelten, wurde auf den anderen Platten das Essen für die Familie zubereitet. In der Gegenwart undenkbar. Da würden einige Stimmen bezüglich der Hygiene im Umgang mit Speisen laut.

 

Der Herd oder Ofen war eine wichtige Einheit in den Küchen im 20. Jahrhundert. Noch wichtiger war nur der große Esstisch mit ausreichend Sitzgelegenheiten. Die klassische Familienkonstellation Mutter – Vater – Kind, und diese allein in einem Haushalt, wurde erst Ende des Jahrhunderts populär. Sie entstand im Zuge der Globalisierung. Single – alleinstehend oder mit Kind – bildeten im 20. Jahrhundert eine absolute Ausnahme. Typisch war dafür das Generationenwohnen. Mehrere Generationen lebten gemeinsam in einem Haus. Die Großmütter und Mütter standen in vielen Familien in der Küche am Herd und kochten täglich für die ganze Familie. Die Groß (Väter) arbeiteten. Sie gingen entweder einer geregelten Arbeit nach oder hielten das Haus und das Grundstück in Ordnung.

 

Im 20. Jahrhundert gab es eine strenge Rollenverteilung in der Familie, die sich erst zum Ende des Jahrhunderts hin auflöste. Damit einher ging auch eine Wandlung in den deutschen Küchen. Bis etwa in das vorletzte Jahrzehnt hinein war die deutsche Küche ein Hort der Gemütlichkeit und der Zusammenkunft. Danach wurde sie eher zu einem Prestigeobjekt. Eine schöne teure Küche, die aber kaum für ihren eigentlichen Zweck genutzt wurde. Einbauküchen kamen in Mode. Sie werden heute jedoch nicht in dem Umfang in Anspruch genommen, wie es noch vor rund 50 Jahren der Fall war. Für viele ist das essentiellste Küchengerät die Mikrowelle, wo man schnell ein Fertiggericht hineinstellen und in wenigen Minuten verzehren kann.

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