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Künstliche Fingernägel: Heute Hui, früher Pfui




Lange Fingernägel waren im 20. Jahrhundert lange Zeit als Ausgeburt der oberen Zehntausend angesehen. Denn nur, wer das nötige Kleingeld hatte, um Hausangestellte zu beschäftigen, der konnte sich den Luxus langer Fingernägel erlauben. Wenn es jedoch um heiratsfähige Frauen aus den bürgerlichen Kreisen ging, so waren Damen mit schön lackierten Krallen eher die letzte Wahl. Denn eine solche Frau konnte wohl unmöglich den Umgang mit Waschbrett und Putzlappen gelernt haben. Und viele Schwiegermütter fürchteten wohl den Hungertod ihrer Söhne, wenn deren Angebetete kein Obst oder Gemüse im Garten anbaute, weil sie Angst um ihre Fingernägel hatte.

Zum Glück für alle Frauen und wahrscheinlich auch Männer wurde der Alltag in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Salonfähigkeit hilfreicher Haushaltsgeräte um einiges leichter. Und damit wuchsen auch die Fingernägel. Allerdings mit einer starken Neigung zum Abbrechen. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis die Kosmetikindustrie hier künstliche Abhilfe verschaffte. Und geboren waren die künstlichen Fingernägel.

Gehört Acryl nicht auf die Baustelle?

1970 ist das Jahr, in dem die ersten künstlichen Fingernägel ihre Markteinführung erlebten. Auch wenn viele der heutigen Nageldesignerinnen über die damalige Optik den Kopf schütteln würden, so galten diese Vorreiter als täuschend echt. Aber noch immer waren sie lediglich der oberen Gesellschaftsschicht vorbehalten. Schließlich löste sich der Klebstoff in Wasser auf und das machte die künstlichen Fingernägel für Frauen, die ihren Abwasch noch selbst erledigen mussten, inakzeptabel.

Damit auch die gewöhnliche Dame in den Genuss der langen, künstlichen Fingernägel kommen konnte, wurde dieser Bereich ständig weiterentwickelt. Und schließlich durfte ein neues Modell begrüßt werden, welches bei UV-Licht trocknete und anschließend auch wasserresistent war. Aber dennoch blieb die Skepsis. Denn Acryl gehörte bis dahin auf die Baustelle und ganz sicher nicht auf die Fingernägel einer Frau. Aber genau aus diesem Material waren diese Neuheiten.

Schicke Kunst setzt sich durch

Als die ersten Frauen von den neuen künstlichen Fingernägeln überzeugt waren, ging ein Ruck durch die Damenwelt. Ab den 1980er Jahren ging es offensichtlich kaum noch ohne. Es entwickelte sich ein ganz neuer Berufszweig und die Nageldesign Studios schossen wie Pilze aus dem Boden. Und nachdem bereits Bauchnabel, Zunge oder Nase gepierct wurden, ging es nun auch den künstlichen Fingernägeln diesbezüglich an den Kragen.

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