Mediterraner Wohnstil – südliches Flair hält Einzug in die Häuser
Das 20. Jahrhundert kann tatsächlich als Zeit der großen Veränderungen angesehen werden. Und zwar in vielen verschiedenen Bereichen. Die Mode veränderte sich, die Einstellung der Menschen und nicht zuletzt auch das Verhalten insgesamt. Natürlich spielte hier Aufklärung eine große Rolle, aber vor allem auch die Möglichkeiten, die sich mit dem technischen Fortschritt eröffneten.
Und somit fällt in das 20. Jahrhundert die Trendwende in der Freizeitgestaltung. Statt Kittelschürze und Gummistiefel wurden Badeanzug und Sonnenhut übergestreift und ab ging es in Richtung Süden. Das Resultat war die Entwicklung eines Faibles für den mediterranen Wohnstil.
Fortan wurde es bunt
Weiße Wände, dunkle Teppiche und rustikale Möbel – diese Elemente gehörten im 20. Jahrhundert zur Grundausstattung der Wohnung anständiger Leute. Erst als der Reiseboom einsetzte, erkannten die Menschen, dass es auch anders geht. Und geboren war der mediterrane Wohnstil fernab von Mittelmeer und Strand sondern in der Wohnung von Lieschen Müller und Bauer Otto. Natürlich nicht ohne Schimpftiraden der Schwiegermutter, die dem modernen Kram so gar nichts abgewinnen konnte.
Aber trotzdem setzte sich nach und nach die mediterrane Wohnlust durch. Die weiß getünchten Wände erhielten nun echte Farbe, die von Sonnengelb über Terrakotta bis hin zu sattem Wiesengrün reichte. Einzig Rot blieb aufgrund der Assoziation mit dem entsprechenden Milieu außen vor.
Auch Urgroßmutters Möbelerbstücke, vorzugsweise in tiefbrauner Rustikaloptik mit den entsprechenden eingeschnitzten Ornamenten, wurden raus geworfen und gegen Materialkombinationen aus Rattan, Korb und Metall eingetauscht, so dass von den Hardlinern der Tradition befürchtet wurde, Omi müsste sich im Grabe umdrehen. Den Höhepunkt erreichte das Ganze dann noch, als die uralten Totschläger Baumwollgardinen durch durchsichtige Organza Stoffe ersetzt wurden.
Ganze Häuser wurden mediterran
Nachdem die Traditionsfanatiker den ersten Schock der mediterranen Einrichtung fast schon überwunden hatten, ging Ende des 20. Jahrhunderts ein neuer, mediterraner Ruck durch das Land und ließ den Traditionsherzschlag schon wieder ins Stolpern geraten. Nämlich als die Einrichtung alleine nicht mehr mediterran genug war und stattdessen ganze Häuser in diesem Stil erbaut wurden. Offene Wohnräume, viel Licht durch großzügige Fenster und Wintergärten oder Terrassen waren für viele junge Leute der Innbegriff des Urlaubsfeelings im Alltag, für Traditionsliebhaber allerdings nichts anderes als unangenehme Kochgerüche im ganzen Haus und freier Einblick für neugierige Nachbarn. Dennoch konnte sich dieser Baustil gerade im Fertighaussektor durchsetzen und bis heute halten.