Mensch ärgere Dich nicht – Gesellschaftsspiel mit Tradition
Wer kennt das nicht: Den Wecker nicht gehört, der Kaffee ist alle, die Wahlkleidung ist verdreckt und schließlich steht man noch ewig im Berufsverkehr. Dann den hintersten Parkplatz gefunden und im strömenden Regen ab zur Arbeit.
Wenn ein Tag so wunderschön beginnt, dann hat er ein enormes Potenzial, zum wahren Ärgernis zu werden. Und wahrscheinlich wird er das auch. Das so heiß ersehnte Ziel ist zum Greifen nah und kurz davor kommt doch noch irgendetwas dazwischen. Und dann kommt irgendein Schlaumeier mit dem sinnhaften Spruch „Mensch, ärgere Dich nicht“.
Weil das Leben genauso abläuft, hat sich im 20. Jahrhundert dieses Motto durchgesetzt – in einem Kultspiel.
Ein Spiel erobert die Welt
Mensch ärgere Dich nicht, das Spiel, welches wörtlich zu nehmen sehr schwierig ist, hat in Europa bereits ein Jahrhundert lang Jung und Alt begeistert. Obwohl in Indien und Sri Lanka ein ähnliches Spielvergnügen schon lange vorher den Markt eroberte, war es ein bis dahin recht unbekannter Herr Schmidt, welcher im stillen Kämmerlein Vater von Mensch ärgere Dich nicht wurde. Heute dürfte jedem Spielefreund Schmidt durchaus ein Name sein.
Anfangs blieb jedoch der erhoffte Ruhm für Mensch ärgere Dich nicht aus und so entschied Schmidt sich zu einer ganz besonderen Form von Werbung. Er stattete die Lazarette für im ersten Weltkrieg verwundete deutsche Soldaten mit seinem Spiel aus und schaffte so nicht nur einen vergnügten Krankenalltag, sondern auch den Sprung in die Herzen der Menschen. Und seither ist Mensch ärgere Dich nicht das beliebteste Gesellschaftsspiel im deutschsprachigen Raum.
Aber auch wenn das Spiel absoluten Funcharakter besitzt, eines schaffen die Spieler garantiert nicht: sich nicht zu ärgern!
Turnierspiel und veränderte Formen
Ein Spaß für die ganze Familie zu sein, dieses Ziel hat Mensch ärgere Dich nicht im 20. Jahrhundert eindeutig erreicht. Aber wie so oft, wenn ein Freizeitvergnügen Massen begeistert, stieg auch Mensch ärgere Dich nicht in die Liga der Turnierspiele auf. Und das dürfte durchaus ein Erlebnis sein. Provokantes Rauswerfen, Pokerface beim Spielzug und strategisches Würfeln werden solche Wettkämpfe wahrscheinlich begleiten, genauso wie das Schmunzeln der Zuschauer.
Aber dennoch ist und bleibt Mensch ärgere Dich nicht das Gesellschaftsspiel schlechthin, mit inzwischen zahlreichen Abwandlungen. Ob als Spielbrett für mehr als vier Mitspieler oder in der kommunistischen Variante, die ausschließlich rote Spielfiguren für alle Teilnehmer zulässt, es hat sich einiges getan. Aber ärgern, muss man sich trotzdem!