Minimalistische Einrichtung: eine neue Art des Wohnens
Fantasievollen Innenarchitekten dürfte zu Beginn der 1980er Jahre sozusagen das Herz in die Hose gerutscht sein. Denn während sie den Traum von abgestimmten Farben, seltsamen Formen und üppigen Verzierungen leben wollen, setzte sich zur damaligen Zeit plötzlich eine ganz neue Art des Wohnens durch: die minimalistische Einrichtung.
Hier hat nur das Nötigste Platz
Mediterraner Flair, traditionelle Wohnkultur im Kolonialstil oder natürliches Ambiente der Landhauseinrichtung, all das hat bei der minimalistischen Einrichtung keinen Platz. Im Grunde genommen kann diese Wohnentwicklung des späten 20. Jahrhunderts als Inbegriff der Einrichtung für beengte Räumlichkeiten betrachtet werden. Nur hat sie dort nicht ihren ausschließlichen Platz, sondern fand ihre Heimat bei allen Menschen, die den ganzen Brimborium schlichtweg satt hatten.
Farbliche Akzente – Fehlanzeige. Schicke Accessoires – nein danke. Ordentlichen Stauraum durch viele Möbel – auch lieber nicht. Diese Tatsachen sind der Inbegriff der minimalistischen Einrichtung im 20. Jahrhundert. Nackte, weiße Wände, so wenig Möbel wie möglich und diese dann auch noch Ton in Ton und in geometrisch exakten Linien, das waren die Markenzeichen dieser neuen Einrichtungsart. Schnell war da die Assoziation zu nackten Räumen oder sterilem Krankenhausinventar projiziert.
Futuristisch sollte es sein
Wer zum ersten Mal einen minimalistisch ausgestatteten Raum betrat und dabei eigentlich Freund des üppigen Einrichtungsstils war, der dürfte sich vorgekommen sein, als betrete er ein Ufo. Wo ansonsten Holz das Bild dominierte, traten nun Kunststoffe und Metallmöbel auf den Plan. Und wahrscheinlich hatte so mancher Besucher den Wunsch, dem Wohnungsinhaber den einen oder anderen Geldschein zuzustecken, damit er sich noch ein paar Möbel zulegen könnte.
Wer konnte da schon ahnen, dass die wenigen Dekorationsartikel, der minimalistischen Einrichtung entsprechend natürlich besonders auffällig, Unsummen verschlungen haben, wenngleich ihre Funktion nicht zu erkennen war.
Ordnung und Sauberkeit als höheres Ziel
Damit die minimalistische Einrichtung ihre volle Wirkung entfalten kann, wurden im 20. Jahrhundert sozusagen Ausstattungs- und Verhaltensregeln definiert. Ein entscheidendes Element dieses Codex dürfte aber so manchem Minimalistenfreund einige Probleme bereitet haben.
Schließlich gingen die Vorreiter dieser Innenausstattung zu Beginn der 1980er Jahre davon aus, dass zu einer echten minimalistischen Einrichtung absolute Ordnung und Sauberkeit gehört. Das strahlende Weiß der Wände und Möbel sollte unter gar keinen Umständen durch Staub in seiner Wirkung gestört werden und auch herumfliegende Unterhosen des Jungessellenhaushalts zählten nicht zur kreativen Entfaltung sondern waren absolute No Go’s des minimalistischen Wohnens.