Umstandsmode von 1950 bis 2000
Die Absage an den modischen Schick in Sachen Umstandsbekleidung, welche die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in grausigem Maß prägte, endete nicht mit dem Einläuten des Jahres 1950. Allerdings konnten zu diesem Zeitpunkt erste gedankliche Veränderungsprozesse wahrgenommen werden. Und diese waren nur der Anfang eines umstandsmodischen Wandels, der die Schwangeren im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen ließ.
Mehr Bauchfreiheit, aber noch lange nicht schön
Nachdem die Dramatik der Schwangerschaftsmode in den 1950er Jahren ihren traurigen Höhepunkt erreicht hatte, indem der Schwangerschaftsbauch von einem engen Mieder vertuscht wurde, wurde dieses wahnwitzige Unterfangen glücklicherweise in den 1960er Jahren aufgegeben. Die Vorstellung von der Peinlichkeit einer Schwangerschaft jedoch keineswegs. Noch immer verursachte das sichtbare Zeichen der Schwangerschaft die Vorstellung einer wollüstigen Dame ohne Anstand. Und deshalb musste der Babybauch nach wie vor unsichtbar bleiben. Behilflich waren sackartige Kleidungsstücke, die keine ausdrückliche Umstandsmode waren, sondern einfach nur Bekleidung in Übergröße mit dem entsprechend schauderhaften Sitz. Erst einige Jahre später wagten sich Bekleidungshersteller an das Design ausdrücklicher Umstandsmode heran. Der Babybauch wurde immer seltener als Schande der Familie wahrgenommen, sondern etablierte sich zum Zeichen eines freudigen Ereignisses.
Die 1980er Jahre: Der modische Durchbruch für Schwangere
Nachdem die ersten echten Umstandskleider auf dem Markt waren und nach anfänglichen kritischen Stimmen schließlich doch Einzug in die Kleiderschränke der werdenden Mamis hielten, und Sexualität inzwischen kein peinliches Geheimnis mehr wahr, kam es zu einer wahren Revolution im Umgang mit dem Schwangerschaftsbauch. 1980 ist das Jahr, welches die Trendwende einläutete. Hosen waren nun erlaubt, Sexualität dank Oswalt Kolle inzwischen salonfähig und somit ging ein Ruck durch die Schwangerschaftsmode. Der Bauch wurde ab nun in Szene gesetzt, ob mit einer Binde geschnürt, mit einem engen Pullover betont oder sogar unbedeckt zur Schau gestellt. Bunte Farben und auffällige Muster sowie Shirts mit textlichen Schwangerschaftshinweisen halfen dabei. Knallbunte Leggins und die typischen Schwangerschaftshosen mit Latz prägen diese Zeit.
Nach und nach etablierte sich die Umstandsmode zu einem festen Bekleidungssektor. Zum Ende des 20. Jahrhunderts hin erschienen viele verschiedene Schwangerschaftsbekleidungsmodelle in den Auslagen der Läden. Von bequemer Freizeitmode über legere Businessoutfits bis hin zu alltagstauglichen Tuniken oder eleganter Abendkleidung war zu dieser Zeit schließlich alles zu finden. Ob eng oder weit, auffallend oder dezent, jeder Wunsch konnte schließlich bedient werden.