Weihnachtsbräuche im 20. Jahrhundert
Weihnachten, das Fest der Liebe – zumindest war es irgendwann einmal so gedacht. Heute ist es vielleicht mehr das Fest des Konsums. Sei es drum, wenn die Kinder vor dem bunten Tannenbaum stehen und ihre Augen leuchten, dann hat Weihnachten auch in der modernen Form seinen Zweck erfüllt.
Dennoch blicken viele mit etwas Wehmut auf das 20. Jahrhundert und die damaligen Weihnachtsfeste zurück. Denn diese waren nicht nur von Geschenken geprägt, sondern vor allem von Weihnachtsbräuchen.
Weihnachtsbaumplündern – da steppte der Bär
Dass irgendwann einmal Süßigkeiten keine Selbstverständlichkeit waren, kann man sich heute kaum noch vorstellen. Im 20. Jahrhundert allerdings waren sie eine Rarität und durften deshalb zwischen Kugeln, Kerzen und dem obligatorischen Engelshaar ihren Platz am Weihnachtsbaum finden.
Waren die mehr oder weniger schön und richtig gesungenen Weihnachtslieder verklungen und die Geschenke geöffnet, dann wurde der Startschuss für ein ganz besonderes kindliches Highlight gesetzt: der Tannenbaum durfte geplündert werden. Und dabei galt das Gesetz des Stärkeren. Wie eine Horde Vandalen machten sich die Kleinen und Großen über den Tannenbaum und die Süßigkeiten her. Dass der liebevoll geschmückte Christbaum dann am Ende eher einem gerupften Huhn glich, war eine Begleiterscheinung dieses Weihnachtsbrauchs.
Kirchengang war Pflicht
Weihnachten ist ein kirchliches Fest, so unglaublich dies für manche Kinder heutzutage klingt. Im 20. Jahrhundert wurde dieser Hintergrund jedoch aktiv gelebt. Und das hieß: Spielsachen weg legen und ab zur Christmette. Diese fand jedoch nicht wie heute um die Nachmittagszeit statt, sondern war die klassische Heiligabendveranstaltung, die irgendwann zwischen 23 und 24 Uhr begann. So müde die Kids nach dem aufregenden Tag auch waren, die Eltern hatten keine Gnade. Kirchengang war ein Weihnachtsbrauch, mit dem nicht gebrochen werden durfte. Und somit konnte man in so mancher Kirche ein zufriedenes Schnarchen zahlreicher Kinder hören, denen der Schlaf dann doch wichtiger war, als die Predigt des Pfarrers.
Brennet ihr Bäume – oder wie war das noch?
Echte Kerzen und dazu noch Spritzkerzen, so musste ein Weihnachtsbaum im 20. Jahrhundert seinen Lichterglanz erhalten. Elektrisches Licht war undenkbar und von LED Lichterketten war man noch meilenweit entfernt.
Nachdem dann jedoch ganze Christbäume und mit ihnen die Wohnzimmer in Flammen aufgegangen sind und die bunten Geschenke Gesellschaft von roten Feuerlöschern erhalten hatten, kehrte man diesem Weihnachtsbrauch doch den Rücken und setzte auf die feuerwehrfreie Weihnacht mit elektrischem Kerzenschein.