Weihnachtskult in Ost und West
So unterschiedlich die Einstellungen in der DDR und dem westdeutschen Bundesgebiet waren, bei einer Sache war man sich durchaus einig: Weihnachten muss gefeiert werden.
Dass der jeweils Andere weihnachtlich ebenfalls aktiv ist, wurde zwar durchaus realisiert, aber dennoch war die Überraschung umso größer, als nach der deutschen Wiedervereinigung klar wurde: Nein, in der DDR werden keine Spreewaldgurken an den Tannenbaum gehangen und auch Hammer und Sichel sind von der Staatsführung nicht als allgemein gültiger Christbaumschmuck vorgeschrieben. Und Nein, in der Bundesrepublik wird das Lametta nicht durch Sauerkraut ersetzt und auch die Tannenbaumspitze ist nicht vom Bundesadler geziert.
Aber dennoch gab es den einen oder anderen Weihnachtskult, der Ost und West durchaus unterschied.
Typisches Weihnachten in der DDR
Es wird viele überraschen, aber so dramatisch anders wie im Westen war das Weihnachtsfest im Osten gar nicht. Es handelte sich um eine familiäre Angelegenheit jenseits des Politikums und viele der ostdeutschen Weihnachtskults waren ohnehin Überlieferungen aus der Zeit gesamtdeutscher Vorkriegseinheit. Klar dürfte allerdings sein, dass es auch zur Weihnachtszeit keine in der Ferne gewachsenen Orangen im Überfluss gab. Aber Plätzchen gebacken wurden auch in der DDR und tatsächlich ist das Schwarz-Weiß-Gebäck ein DDR Weihnachtskult.
Würstchen und Kartoffelsalat war für das westdeutsche Familienoberhaupt viele Jahre eine Undenkbarkeit des Weihnachtsessens, während man im Osten darauf schwor. Heute hat man sich diesbezüglich angenähert und setzt mitunter auf die jeweils andere Art zu speisen. Genauso wie auf den ostdeutschen Schwibbogen.
Ein Weihnachtskult Ostdeutschlands ist jedoch besonders hervorzuheben, da er typisch für sozialistisch geprägte Staaten ist und dennoch unverkennbar den weihnachtlichen Gedanken der Nächstenliebe transportiert. Auf dem Tisch hatte ein Gedeck mehr Platz zu finden und war für unerwartete Gäste vorgesehen, die am Weihnachtsabend nicht Hunger und Kälte leiden sollten.
Weihnachtsgans und Kinderprogramm
In Westdeutschland wurde zu Weihnachten auch seit Menschengedenken gebacken, wohl aber weniger Schwarz-Weiß-Plätzchen als vielmehr Spritzgebäck, natürlich per Hand mit dem Fleischwolf bearbeitet, damit Mama am Weihnachtsabend eine schöne Sehnenscheidenentzündung hat.
Das Essen war geprägt vom Weihnachtskarpfen, den Papa am besten selbst gefangen hat. Wenn die Ausbeute eben nur eine kleine Forelle war, dann wurde schlichtweg auf die Weihnachtsgans umgesattelt.
Und während im Osten die Kinder den Tisch für ungebetene und zwangsweise erwünschte Gäste deckten, hielt man sich im Westen mit der Kultsendung „Wir warten aufs Christkind“ die nervigen Kleinen vom Leib.