Wohnstile der Kriegszeit im 20. Jahrhundert
Sowohl nach dem ersten Weltkrieg, als auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges rückten die Ansprüche der Menschen an Wohndesign und Behaglichkeit eher in den Hintergrund. Viel wichtiger war es in jenen Zeiten, etwas Nahrhaftes zu Essen auf dem Tisch zu bekommen. Erst im Laufe der Zeit war man wieder in der Lage, sich den anderen, wichtigen Dingen des Lebens, zum Beispiel den “dekorativen” Aspekten zu widmen.
Spätestens zu Zeiten des so genannten Wirtschaftswunders waren entsprechende Veränderungen sehr deutlich spürbar. Denn nach Ende der Kriegswirren hatte man zumeist wieder ein gesichertes Einkommen und somit flüssige Mittel zur Verfügung, um wieder ein größeres Augenmerk auf die Wohnungseinrichtung zu legen. Vor dem ersten Weltkrieg waren in den Wohn- und Schlafzimmern der Menschen vergleichsweise große, schwere Möbel zu sehen; erst später hingegen, in den Zwanzigern, entschied man sich für geschwungenes, leichteres Mobiliar, wie Schränke, Tische oder Kommoden.
Insbesondere als das Geld gegen Ende der 40er ein wenig lockerer saß, war man bereit, wieder mehr in Einrichtungsgegenstände zu investieren. Zeitgemäße Trompetenschirm-Lampen waren im Zuge dessen ebenso gefragt, wie rustikal anmutende Sitzecken, Sessel und Vitrinen. Aber auch die so genannten Nierentische erfreuten sich einer immer größeren Beliebtheit. Die Menschen versuchten unter anderem auch durch die Auswahl ihrer Möbel nach außen hin zur Schau zu stellen, dass man (wieder) “Wer” war, und dass das Konto gut gefüllt war. Dunkle, industriell gefertigte Möbelstücke im niveauvollen Stil waren begehrt.
Massivholzmöbel, aber auch Einrichtungsgegenstände, die mit zierenden Glas-Elementen versehen waren, entsprachen damals voll dem Trend der Zeit. Besonderes Highlight für die moderne Hausfrau war darüber hinaus auch die stilvolle Einbauküche. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich – selbstverständlich – eine Einbauküche nach Maß anfertigen. Sogar das eine oder andere Elektrogerät war bereits darin enthalten.
Vergleicht man die damaligen, in sich eher “geschlossenen” Wohnstile mit denen der heutigen Zeit miteinander, so fällt vor allem eines auf: die Wohnungen des neuen Jahrtausends beeindrucken durch ihre Offenheit, Transparenz, Understatement. Nach den beiden Kriegen versuchte man dahingegen vielmehr durch eine klar gegliederte Gestaltung der Wohnräume eine idyllische, gemütliche Atmosphäre zu schaffen.
Wohl niemand wäre seinerzeit auf die Idee gekommen, dass eines Tages die heute so angesagten Wohn-Esszimmer dem Trend der Zeit entsprechen würden. Die Zeiten ändern sich – und mit ihnen die Wohnstile.